Sonntag, 19. März 2006

Ulrich Lubda UP, UP AND AWAY (St.Marien, Winsen/Luhe)

 
 
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Zunächst eine traditionelle Kruzifix-Gruppe(Triptychon) - der gekreuzigte
Heiland überhöht in der Mitte, darunter Maria und Johannes oder, wie in
anderen Darstellungen - Maria Magdalena oder die Mutter des Johannes.
Doch ist hier das Kreuz in der Mitte durch ein durch das Feuer gegangenes
Eisenblech ersetzt, der Gekreuzigte durch eine sich erhebende Bildchiffre
sublimiert - damit wird auf die Auferstehung angespielt. In Flammen- und
Flugzeichen dreimal ein Bild des himmlischen Weltenrichters aus christlicher
Sicht, wie Gasblasen aufleuchtend oder wie Planeten. Die gesamte Darstellung
hat aber auch einiges zu tun mit dem altägyptischen Mythos des Phoenix
(Neubeginn aus der Asche) und dem sagenhaften Vogel Garuda
indisch-hinduistischer Provenienz, der in diesen unseren Krisenzeiten mit
dem Kürzel H5N1 daherkommt. Phoenix ist auch der Untertitel der Arbeit, in
russischer Schreibweise verbunden mit dem arabischen Beinamen des
Nazareners (gaNotsri), wie ihn Mikhail Bulgakov in Der Meister und Margarita
verwendet. Russischer Herkunft sind auch die drei Köpfe des die Welt
richtenden Christus, Fresken aus der Uspenskij-Kathedrale in Wladimir,
geschaffen von Andrej Rubljew im 15. Jh. - zugleich frühe Portraits des
Künstlers Ulrich (Uolda Riche = Weltherrscher) Lubda und dessen ganz
persönlicher Beitrag zum Thema Reinkarnation. Abgerundet wird der Mittelteil
durch die chinesischen Schriftzeichen für Erde, Mensch und Himmel.


Auch die flankierenden Seitenteile haben das Feuer gespürt: es handelt sich
um mehr als 300 Jahre alte Rauchhausbohlen aus Eiche aus des Künstlers
alter Kate in Thieshope, dem inzwischen abgebrannten Theaterstall.
Beide Stelen zeigen mit der Kettensäge eingekerbte Holzschnitte der Trauer
und des Trostes. Die rechte farbige Stele diente tatsächlich eine Zeit lang als
Grabstele für die verstorbene Frau des Künstlers und zeigt ein Motiv der keltischen
Sage des Great Silkie of Sul Skerry, die Farben rühren daher, daß sie später
als Druckstock diente für den Holzdruck Fluß des Lebens (verkauft 2004).
Die linke Stele aus dem Besitz von Tierarzt Thomas Mack aus Stelle zeigt eine
versammelte weibliche Figur und trägt den Titel Ninus’ Tomb -
eine Anspielung auf die unerfüllte und tragisch endende Liebe von Pyramus
und Thisbe aus den Metamorphosen des Ovid, wie wir sie aus Shakespeares Sommernachtstraum kennen. Wen dieser literarisch-historische Hintergrund
zu sehr belastet, kann sich auch einfach am Zusammenspiel der verschiedenen
Materialien, von AluSpray (tierärztliche Hausapotheke), Lack und Rost, von Farbe,
Holz und Metall - am Schwung und Duktus von Säge, Messer, Sprühdose, Pinsel
und Kreide freuen. Wieder mal ein Recycling-Projekt (arte povera) von Ulrich Lubda. .

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